NERVUS PETROSUS-NEURALGIE
(Petrosus-Neuralgie, Petrosusneuralgie)

  • Der Begriff "Nervus petrosus-Neuralgie", bzw. die Abkürzung "Petrosus-Neuralgie" ist ein Synonym (= sinnverwandt, gleichbedeutend) für den Cl uster- Kopfschmerz.
    Der Nervus petrosus profundus (zu deutsch: tiefer Felsenbeinnerv) ist Teil des vegetativen (= unbewußten, unwillkürlichen) Nervensystems und innerviert (= versorgt) die Tränendrüse.

Interessanterweise gelangen Fasern des N. petrosus profundus auch zu den "Geschmacksknospen" des weichen Gaumens. Dies dürfte der Grund sein, weshalb manche Cl uster-Patienten bei genauer Nachfrage auch über eine Geschmacksbeeinträchtigung während eines Schmerzanfall s berichten.

Die Nervus petrosus-Neuralgie gehört zur Gruppe der sog. trigeminoautonome n Kopfschmerzen. Nach der Definition gehen diese attackenartigen Kopfschmerzen mit einseitigen trigeminalen (= das Ausbreitungsgebiet des Nervus trigeminus betreffend) Schmerzen und obligaten (= unerläßlichen) autonomen (= unabhängigen, selbständigen) Begleitsymptomen (= begleitenden Krankheitszeichen) einher.

Die Nervus petrosus-Neuralgie, auch als Erythrop rosopalgie oder Bi ng-Hor ton-Kopfschmerz bezeichnet, kommt selten vor, betroffen sind etwa ein Prozent der Bevölkerung.

Die Nervus petrosus-Neuralgie tritt etwa 10 mal seltener als die Migräne auf. Männer sind viel häufiger betroffen als Frauen (im Verhältnis 3:1). Die Schmerzkrankheit beginnt in der Regel im mittleren und höheren Lebensalter. Bei 20 % der Patienten finden sich andere Kopfschmerzanfälle in der Familie, bei 7% der Fälle leiden Familienangehörige ebenfalls unter diesem Cl usterkopfschmerz.
Die Ätiologie
(= Krankheitsursache) des Cl usterkopfschmerz es ist unbekannt. Es wird eine Störung im Hypothalamus (= Teil des Zwischenhirns) vermutet (Mumenthaler 2002). Es gibt Hinweise darauf, daß eine biologische Rhythmusstörung vorliegt, die sich in einer gehäuften Frequenz von Cl usterkopfschmerz -Episoden im Frühjahr und Herbst zeigt. Auch ist die zirkadiane (= den 24 Stunden Rhythmus betreffende) Hormonausschüttung gestört. 

Die Nervus petrosus-Neuralgie tritt hpts. in zwei Formen auf:

  1. Episodische Petrosus-Neuralgie, gekennzeichnet durch den Wechsel von Perioden mit Schmerzattacken und beschwerdefreien Phasen und
  2. Chronische Petrosusneuralgie: die kopfschmerzfreien Intervalle sind stets kürzer als zwei Wochen

Die Symptome (= Krankheitszeichen) bei der Petrosus-Neuralgie (chronische und episodische) führen manchmal zur einer Verwechslung mit der Trigeminusneuralgie, aber auch mit der Migräne.

Hauptsymptom (= vorherrschendes Krankheitszeichen) ist der streng einseitig, in aller Regel periorbital (= um das Auge herum) oder frontotemporal (= Stirn -/ Schläfenbereich betreffend) in Attacken und vorwiegend nachts auftretende Schmerz von unerträglicher Intensität und einer durchschnittlichen Dauer bis zu wenigen Stunden. Überwiegend wird der Schmerzcharakter mit bohrend oder brennend angegeben. Typischerweise, jedoch nicht zwingend, kommt es zu Tränenfluß und Rötung des schmerzseitigen Auges, evtl. begleitet von Engstellung der Pupille und Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) sowie Nase nträufeln als Begleiterscheinungen. Manchmal treten auch Übelkeit und Brechreiz auf, was zu Verwechslungen mit der Migräne führen kann. 
Im Gegensatz zu Migränepatienten sind Patienten mit Cl
usterkopfschmerz (chronischer und episodischer) eher unruhig und laufen während einer Schmerzattacke umher; ihr Ruhebedürfnis ist weniger ausgeprägt als bei Migränikern. Der einschießende Schmerzcharakter und die extreme Schmerzintensität können zur Verwechslung mit der Trigeminus-Neuralgie Anlaß geben. 
Schmerzauslösende Mechanismen können vorhanden sein, so z.B. Flimmer- und Flackerlicht, Aufenthalt in großen Höhen, H istamin und Nitroglyzerin, öfters aber auch Alkohol (Soyka 1989). Nitroglyzerin (in Form von Nitratpflaster) verwenden wir deshalb regelmäßig als Provokationstest, um die Stabilität eines Behandlungserfolges einschätzen zu können. 
Bezüglich der Pathogenese
(= Krankheitsentwicklung) scheint bei diesem Schmerzsyndrom dem His tamin eine besondere Rolle zuzufallen.

Therapie bei Petrosus-Neuralgie (chronische und episodische):

Ein statistischer Erfolgsvergleich unterschiedlicher Therapiemaßnahmen wird durch die Tatsache erschwert, daß ein episodischer Cl usterkopfschmerz schubartig verläuft, d.h. monatelange, in Ausnahmefällen sogar jahrelange schmerzfreie Intervalle kennzeichnen diese Kopfschmerzform. Ein chronischer Cl usterkopfschmerz kommt eher seltener vor.
Wie bei den anderen primären
(= nicht auf eine andere Krankheit zurückzuführende) Kopf schmerzen ist es auch beim Cl usterkopf schmerz oftmals erforderlich, die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten nacheinander auszutesten, um die optimale herauszufinden.

Medikamentöse Schmerzbehandlung im akuten Anfall:

Wegen der häufig kurzzeitigen Attackendauer kommen meist nur solche Methoden zur Anwendung, die innerhalb weniger Minuten wirken können. Orale (= Tabletten, Tropfen) und rektale (= Zäpfchen) Verabreichung von z.B. Ergotam in ist daher nur bei längerer Anfallsdauer sinnvoll. 
Die Einatmung von reinem Sauerstoff über Maske ist eine bewährte Methode zur Kupierung des Anfalls. Die Verabreichung über eine Nasensonde ist meist nicht ausreichend. Diese Methode hat den Vorteil, daß entsprechende Geräte zum häuslichen Gebrauch auf Kosten der Krankenkassen verordnet werden können. 
Im Gegensatz zur akuten Migräneattacke spricht die akute
Nervus petrosus-Neuralgie in der Regel auf die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) an. Bewährt hat sich die Betäubung der schmerzseitigen Nerven supraorbitalis (ca. 1 ml), supratrochlearis (ca. 0,5ml), jeweils am zugehörigen Austrittspunkt, und die großzügige flächenhafte Infiltration des dominanten Schmerzareals im Stirn - / Schläfenbereich. Bei Schmerzausstrahlungen in den Oberkiefer muß der Infraorbitalis-Nerv ebenfalls blockiert werden (1-2ml). Das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) der ersten Wahl ist bei uns das lang wirkende Bupivacain 0,5%. In hartnäckigen Fällen führen wir diese Behandlung mit gutem Erfolg konsequent 2 bis 3 mal täglich durch, auch an Wochenenden, was jedoch nur unter stationären Bedingungen durchführbar ist. 
Wiederholte Blockaden des Ganglion stellatum (= vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) mit einem lang wirkenden Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) können ebenfalls sehr hilfreich sein. Gleiches gilt für das Ganglion cervicale superius (= vegetative Schaltstelle im Rachenbereich), diese Blockade erfolgt allerdings in Form der GLOA (= ganglionäre Opiodanalgesie).
Empfohlen wird bei der Petrosus-Neuralgie auch eine nasale
(= in die Nase) Instillation von 1 ml 2%iges (noch besser 5%iges) Lidocain bei 45 Grad rekliniertem (= überstrecktem) und 30-40 Grad zur betroffenen Seite rotiertem (= gedrehtem) Kopf (Pfaffenrath 1988).

Wirksam ist bei der Nervus petrosus-Neuralgie (chronische und episodische) auch Ergotam in. Nachteilig ist, daß sich bei häufigem Gebrauch ein ergotaminbedingter Dauerkopfschmerz (Ergotamin-Kopfschmerz) ausbilden kann. Wegen des schnellen Wirkungseintrittes kann auch Dihydroergotamin i.m. (i.v.) gegeben werden (1-2mg), evtl. kombiniert mit 1g Metamizol. 
Das Migränemittel Sumatriptan (aber auch Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Frovatriptan oder Eletriptan) ist auch beim Cl
usterkopfschmerz sehr wirksam, insbesondere zum schnelleren Wirkungseintritt unter die Haut gespritzt (6 mg) (auch mit Autoinjektor, vom Patienten selbst injizierbar, oder als Nase n-Spray), ansonsten 100mg oral (= durch den Mund). Beim Wiederauftreten von Schmerz  en maximal zwei Applikationen in 24 Std. Häufiger wurde über ernstzunehmende Nebenwirkungen berichtet, auch in den Medien. Bei Beachtung der Anwendungsbeschränkungen kann das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit jedoch als günstig angesehen werden (Tfelt-Hansen 1993). Wegen des relativ hohen Preises dürfte Sumatriptan (und andere Triptane) allerdings erst dann zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg bringen.

Prophylaxe (= Kopfschmerzvorbeugung) der Petrosus-Neuralgie:

Als Mittel der Wahl gilt der Calcium-Antagonist Verapamil (= eigentlich ein Mittel gegen hohen Blutdruck, aber auch bei diesem Schmerz wirksam). Dosierung: bis zu 3-4x 80 mg pro Tag, in der ersten Woche einschleichend. Der Wirkungsmechanismus von Verapamil bei Cl usterkopfschmerz ist unbekannt. 
Spezielle Dosierung: In hartnäckigen Fällen wird Verapamil bei
Nervus petrosus-Neuralgie (chronische und episodische) mit gutem Erfolg sehr viel höher dosiert: bis 500 mg/Tag (und mehr), initial (= anfänglich) unter ständiger Blutdruck- und Pulskontrolle. 
Als Mittel der 2. Wahl kann Lithium empfohlen werden
(= eigentlich ein Mittel gegen die Depression, aber auch zur Vorbeugung bei einer Petrosus-Neuralgie wirksam). Lithium soll bereits unterhalb des empfohlenen Serumspiegels bei der Nervus petrosus-Neuralgie wirksam sein. 
In hartnäckigen Fällen und unter strenger Abschätzung des therapeutischen Risikos im Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, kann eine Kortikoid-Behandlung versucht werden, z.B. mit Prednisolon. Empfohlene Dosierung: 1-4. Tag 80mg, 5- 8 Tag 70mg, dann jeweils nach 4 Tagen die Dosierung um weitere 10mg reduzieren. 
Der Serotonin-Antagonist Methysergid
(= ein Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) kann bei dieser Erkrankung auch zur Kopfschmerzprophylaxe verwendet werden. 
Teilweise wird empfohlen, zur Vorbeugung dieser Schmerzen regelmäßig täglich Ergotam in zu verabreichen. Wegen der Gewöhnungsgefahr und der hohen Wahrscheinlichkeit, damit die gefürchteten Ergotaminkopfschmerz
en zu induzieren, muß davor dringend gewarnt werden. Nicht zu unterschätzen ist auch ein Ergotismus.

Zur Schmerzprophylaxe (= Vorbeugung von Schmerzen) hat sich auch die wiederholte Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetica) wie bei der Akutbehandlung sehr bewährt. Manchmal werden auch in der schmerzseitigen Hinterkopf region Schmerz en angegeben; in diesem Fall blockieren wir dann auch die Nerven occipitales major und minor. Optimal ist diese Behandlung unter stationären Bedingungen, weil dann diese Therapie konsequent 2x täglich, auch an Wochenenden, über einen Zeitraum von 2-3 Wochen durchgeführt werden kann. Unter dieser Behandlung fallen in der Regel die Schmerzattacken zunehmend milder aus, um im Idealfalle allmählich wegzubleiben.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen bei der Petrosusneuralgie:

Anders als z.B. bei der Migräne spielen bei der Petrosus-Neuralgie (chronische und episodische) psychische Faktoren eine eher untergeordnete Rolle, so daß diesbezüglich nur allgemeine Maßnahmen empfohlen werden können, so z.B. im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung ein Schmerzbewältigungstraining. Transkutane Nervenstimulationen mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) haben bei diesem Kopfschmerz (chronischer und episodischer) nur selten einen positiven Effekt.

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Wußten Sie schon, daß laut Bundesregierung alle gesetzlich krankenversicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen können  - Lesen Sie dazu die Ausführungen des Bundesministeriums für Gesundheit: http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st  (einfach anklicken)
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Ist eine Rentenversicherung Kostenträger, besteht diese Wahlmöglichkeit jedoch nicht, aber:
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen. Danach hat ein Schmerzpatient ein Recht  darauf, in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden.
Hier gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik). Mittlerweile gibt es diesbezüglich zwei weitere Urteile, so vom Landessozialgericht Hamburg: http://www.schmerz.com/schmerzen/sozialgericht2 (Pressekommentar dazu: https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik) und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in nur 23 (!!) Tagen: www.schmerz.com/schmerzen/sozialgericht1.

Sie wollen mit einem erfahrenen Schmerzarzt sprechen? Kein Problem, einfach jeweils an einem  Montag oder Mittwoch zwischen 20.30 und 21.30 Uhr die Tel.-Nr. 07931-5450 anwählen (keine extra Gebühren).

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Aktualisiert: >13.10.2007</> kusb
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Z Zeckenbiß (www.nervenschaeden.de/zeckenbiss), Zeckenborreliose (www.zeckenborreliose.de), Zeckenerkrankungen (http://www.zeckenerkrankungen.de), Zephalgie (http://www.zephalgie.eu), zervikaler Bandscheibenvorfall, Zehenentzündung, chronisches Zervikal-Syndrom, Zervikobrachialsyndrom, Zervikogener Kopfschmerz, Zervikozephalgie, Zosterneuralgie (www.brennschmerzen.de/zosterneuralgie), Zosterschmerz

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